Wilma Klevinghaus                Neuanfang

© bei der Autorin

w.klevinghaus@web.de                          Immer wieder wird ein Neues sein;

jeder Atemzug ist nie zuvor gwesen.

Mit allem, was wir binden oder lösen,

tritt unser Fuß in neue Räume ein.

 

Und keinen Anfang finden wir allein.

Das Gestern lebt versteckt in altem Wesen,

steht hinter dir im Guten wie im Bösen

und dringt ins Wogen deiner Träume ein.

 

Doch wirst du Hand und Auge offen halten,

dass du das Neue voll Vertrauen greifst,

wenn du durch Lichtes oder Dunkles streifst,

 

so wird das Neue sich aus dir entfalten

und jedes Denken, jedes Werk gestalten,

dass du zu neuen Lebenswegen reifst.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wilma Klevinghaus

© bei der Autorin

w.klevinghaus@web.de                          Um nackte Äste zärtlich schlingt

der Lenz die ersten grünen Schleier.

An dem vom Eis befreiten Weiher

ein erster Amselruf erklingt.

 

Noch zaghaft auch die Drossel singt

zu einer ersten Frühlingsfeier.

Schon jauchzt mein Herz und atmet freier,

wenn sich ihr Lied ins Blau erschwingt.

 

Doch hinter meiner Freude nagt

unter der Lust am Tag verborgen

unausgesprochen tiefes Sorgen,

 

wenn sich mein Herz betroffen fragt,

wann wohl der letzte lichte Morgen

für diese alte Erde tagt ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wilma Klevinghaus                Vor der Sonnenuhr

© bei der Autorin

w.klevinghaus@web.de                          Uraltes Zeichen, das mich schweigend ruft:

Ein Zeiger wandert lautlos an der Wand.

Längst schon verließ er seinen tiefsten Stand;

schon neigt der Goldball sich zu seiner Gruft

 

und hebt den Schatten höher in die Luft,

bis er der Berge Dunkel sich verband,

als streue eine unsichtbare Hand

in alle Gründe ihren letzten Duft.

 

Ich habe abwärts meinen Schritt gewandt

und weiß die Zeit nicht, die mir bleibt

und ahne nur den Finger, der da schreibt.

 

Den Boten kenn’ ich, den mir Gott gesandt.

Jetzt ist zu spät, dass eine Frucht noch treibt:

bald schlüpf’ ich in das letzte Nachtgewand